Montag, 11. April 2016

Tag 2 - Auf nach Vava'u


Kaum war ich auf Tonga angekommen, bin ich auch schon wieder weiter - nach Vava'u, eine der weiteren Inseln von Tonga. Morgens um 6.00 Uhr musste ich los (keine Ahnung, was mich da beim Buchen geritten hat - hätte ich auch vorher gewusst, dass man in Neilofa (der "Hauptstadt") so wenig machen kann, wäre ich wohl noch was länger im Resort geblieben. Aber, wie sagt man so schön, hinterher ist man immer schlauer). Der Fahrer war superpünktlich (nix Island Time) und hat mich mit Geschichten & Stories unterhalten. Z.B. über die zwei goldenen Regeln in Tonga - man braucht keine Uhr, wegen Island Time, wenn man doch eine trägt, geht die meistens nicht und ist nur zum Angeben da. Insofern sollte ich mich nicht wundern, wenn der Flieger nicht ganz pünktlich gehen würde... Die zweite ist Essen (was auch sonst - hab ich eigentlich gesagt, dass ich 4 (!!!) Kilo zugenommen hab; verrückt). Bei Buffests geht man das erste Mal zur Vorspeise, das zweite Mal zur Hauptspeise und dann beim dritten Mal beginnt man erst wirklich zu essen. Dann bleibt man so schlank und gesund wie er. Sagt der 150-Kilo-Mann.
Er selbst ist im Übrigen noch nie geflogen, obwohl er ständig vom Flughafen hin- und herpendelt und hat seit 28 Jahren seine Eltern nicht mehr gesehen, die in Australien leben (wahrscheinlich einer der Fälle, von denen Toni mir erzählt hat; die meisten Tonganer möchten die Insel am liebsten heute statt morgen verlassen, und dann lassen die auch öfter mal ihre Kinder zurück, da sich dann die "extended family" um die kümmern (müssen); laut Toni nach dem Motto "kids are a nuisance - they spoil your lifestyle"....; später braucht man die Kinder dann aber wieder, wenn man alt ist, damit die sich um einen kümmern - Altenheime gibt's nämlich in Tonga nicht). Dafür war er schon mit dem Segelboot auf fast allen 276 Inseln (bis auf zweien), die zu Tonga gehören (wenn die Zahl denn mal stimmt). Auf der Insel am nördlichsten Rand (Niu), dort leben vielleicht ein paar hundert Menschen, können sich diese nur von frischem Fisch, Fleisch, Obst etc. ernähren, weil es dort nämlich keine Kühlungsmöglichkeit gibt. Die haben nur einen Generator auf der Insel. Und ein Schiff mit Nahrungsmitteln/Vorräten kommt nur einmal im Quartal vorbei. Krass, ne? Kann man sich kaum vorstellen.

Hier der Flughafen und mein Flieger

Am Domestic Terminal des Flughafens geht alles noch "offline", d.h. es wird alles handschriftlich ausgefüllt. Ach ja, und weil die Maschinen so klein sind (16 Sitzer) hat man auch deutlich kleinere Kilobegrenzungen als sonst (Schlaubi-Schlumpf Kleini hatte das aber schon bei der Hinreise bedacht und sowieso nur 15 Kilo nach Tonga mitgenommen). Aber: Man muss auch sein eigenes Gewicht schon bei der Buchung angeben. Und: Das wird nachgewogen. Vor Ort. Jaha. Das ist dann natürlich nicht so schön. Nun ja, ich bin gegen die Tonganer immer noch ein Leichgewicht (I like), aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das gemessene Gewicht von meinem online angegebenen etwas (*hüstel) abgewichen ist. Na ja... Such is life...




Der Flughafen auf Vava'u. Auch hier alles mit Handarbeit...

Abgeholt wurde ich von David, dem regulären Fahrer des Guesthouse, in einer mehr als schrottreifen Karre. Aber so sind sie halt, die Autos in Tonga. Sind meistens japanische Autos, das von David hatte knapp 500.000 Kilometer auf dem Tacho. Ist wohl auch relativ teuer hier ein Auto zu kaufen; die müssen ja nun auch erstmal hierhin transportiert werden.

Das Guesthouse war echt super. Der Besitzer, wie ich später so am Rande erfahren hab, ist das ein weitläufiger Verwandter der königlichen Familie (na gut, irgendwie, wer ist das nicht??). Insofern wird man hier auch nicht übers Ohr gehauen oder doof angemacht, wenn man sagt, dass man im Port Wine Guesthouse untergekommen ist.

Bin dann direkt mal in die "Stadt", weil ich unbedingt auf den Markt wollte; in meiner Vorstellung bin ich da stundenlang drübergeschlendert und Souvenirs zu gucken und zu kaufen. Aber das war sehr enttäuschend. Es gab 6 Stände oder so. Das Schlendern hat 10 Minuten gedauert. Schnief...

Den Rest der "Stadt" hatte ich dann auch in einer halben Stunde gesehen. Letztlich besteht die nur aus einer Straße mit vielleicht 20 Häusern rechts und links, die in erster Linie Läden sind. U.a. das Tropicana Café, dessen Besitzer (ein Kiwi, glaub ich) keine Deutschen mag (Internetpasswort "towatchgermans"). Pfff, aber sein Café Tropicana nennen. Sehr originell.
Postkarten hab ich dann auch (endlich!) gefunden - die aber, ich kann es nur wiederholen, Tonga ist eben überhaupt nicht touristisch, nicht so richtig schön sind. Aber es kommt ja auf die Geste an, wa?

Hier noch ein paar Eindrücke von Neiafu:

Zurück im Guesthouse hab ich mich erstmal aufs Ohr gelegt. Danach war es aber immer noch früh am Tag, also hab ich mich entschlossen, zum Mount Talau zu laufen, wo man einen Rundumausblick haben sollte. Und tatsächlich finde ich, dass der Reiseführer ein bisschen recht hat - das hat schon was von einer tropischen Fjordlandschaft. Leider zogen da schon Wolken auf, was leider die superschönen azurblauen Farben auf den Fotos etwas versaut hat. Verdammt. 
 

Die Treppen da hoch waren auf jeden Fall ziemlich "interessant" (wieder mal ein Fall von - Sicherheit? Pff. Noch nie gehört. Oder, wie es Tai vom Guesthouse immer so schön gesagt hat: That is Tonga. z.B. auch: ohne Anschnallgurt fahren (was ist das??), mit 10 Mann auf der Pickup-Ladefläche, mitunter auch auf Plastikstühlen sitzend oder die Schulbusse buchstäblich (!) bis unters Dach beladen. That is Tonga.). Die hatten nämlich einen schräg abfallenden Winkel nach vorne und nach rechts. Fühlte sich schon was seltsam an, beim Hochlaufen.

Hier im Übrigen auch noch die Geschichte von Mt. Talau (war ich zu faul zum Übersetzen):
Why Mt. Talau is flat
A very, very long time ago, some tevolo (mischevious spirits) from Samoa were looking out over the oceans from their tall mountains. Their mountains were so high that they could see everything around them, except that is, whenever the looked south toward Tonga, Mt. Talau stood in the way of their view. "We will go and ststeal the top of that mountain," the Samoan tevolo planned, "then we will add its hight to our mountain, so we can see all the world without any abstructions."
One night, because tevolo are only able to be out during the night, the Samoan tevolo came to Vava'u and taking out their hele pelu (bushknife) started to cut away the top of the mountain. The people of Vava'u seeing what the Samoan tevolo were trying to do, started crowding like roosters as loudly as they could. They hoped to fool the Samoan tevolo into thinking that the sun was rising. However, the tevolo did not fall for the trick and finished cutting off the top of Mt Talau, and prepared to carry it back to Samoa.
"We nee help from our own tevolo!" cried the people of Vava'u. They sent a request to 'Eua where a tevolo named Tafakula lived. Tafakula was very famous for her cunning ways and she quickly went to the Eastern side of the island where the sun rises. She bent over, lifted up her skirts and exposed her buttocks. The Samoan tevolo seeing the bright light reflecting off Tafakula's exposed buttocks thought that it was the sun rising in the east: They instantly dropped the top of Mt Talau and fled back to Samoa. The theft had been prevented. The top of Mt. Talau has been flat since and what was once the top can be seen just southwest of Mt Talau today - it is known as the island of Lotuma.

Mount Talau ist im Übrigen der höchste Berg in Vava'u, mit 131 Metern.
 
 Blick auf die Stadt
 
 

 Blick ins Inselinnere:

Leider war oben alles ganz schön vermüllt, und von den vier angekündigten Aussichtspunkten hab ich nur zwei gefunden. Auch mal wieder ein Fall von "That is Tonga", vermute ich. Jedenfalls haben die es nicht so mit Schildern und eben auch nicht damit, es für Touristen irgendwie schön zu machen.
Aber Riesen-Spinnen gibt's:

Ein paar "typische" Eindrücke - von dem Weg nach unten
 
 

Nach dem Walk war auch das zweite Paar Kopfhörer geschrottet, also hab ich mir ein paar neue gekauft. In dem Laden hab ich das hier entdeckt:
Hmh, das ist nicht so richtig legal, würde ich mal sagen. Aber: That is Tonga.

Abends hab ich mit Tai und einem seiner Kumpel Rugby geguckt (der hat ne Leinwand, Beamer und Sky Pasifika, nur das Internet funktioniert nicht, also jedenfalls das WLAN nicht) und bin mit anderen Gästen da ins Gespräch gekommen (Hannah & James aus England; Highschool-Sweethearts, arbeiten für 2 Wochen auf einem Krankenhaus-Schiff, das die kleinen Inseln rundum abklappert, sie ist Ärztin, er begleitet sie - im Übrigen gibt es hier ne Menge ausländischer Medizinstudierender, die hier ihre praktische Phase absolvieren; find ich voll gut - mein größter Respekt!; und Joey, der arbeitet (in Flipflops und Hawaiihemd) für die amerikanische Regierung, der scheint das aber schon länger zu machen, der spricht tonganisch).... Und das Reisetagebuch schreibt sich ja auch nicht von alleine (das kostet echt viel Zeit, man merkt echt, dass man nicht mehr so oft mit der Hand schreibt...).

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