Donnerstagnachmittag sind wir gen Waiheke Island (http://waiheke.aucklandnz.com/) aufgebrochen, einer Insel vor Auckland, die für ihr Mikroklima und die vielen, vielen Weingüter auf der Insel bekannt ist. Durch das Mikroklima und die verschiedenen geologisch anders gearteten Böden können auf der Insel die diversesten Trauben angebaut werden.
Wegen der tollen Strände und dem sehr "laid back"-Lebensgefühl ist das auch eine sehr beliebte Ferieninsel. Laut unserer Reiseführerin am zweiten Tag, Tracy, sind 40 % der Häuser auf Waiheke Ferienhäuser. Bedeutet auch, dass sich die Bevölkerung in der Ferienzeit mehr als verdoppelt... Dahin kommt man entweder per Personenfähre (ist dann aber auf den Bus, der einmal die Stunde von Fähre zu Fähre fährt - "very handy", angewiesen oder auf ein Taxi, das entgegen der Ankündigungen doch gar nicht so richtig billig war oder man mietet sich ein Auto) oder per Autofähre. Letzteres ist zwar teurer, so konnten wir aber alles mitnehmen...
Auf der Fährüberfahrt hat man dann richtig schöne Blicke auf die Skyline von Auckland:
Das Wolkenfoto ist eine spezielle Hommage an Caro V. (;-))
Ein erster Blick auf Waiheke Island vom Wasser:
Wir hatten ein kleines Ferienhaus (hier nennt man das Bach; http://www.waihekeholidayhomes.co.nz/home.asp?Area=3&Home=104) in Palm Beach gemietet. Klein (2 Schlafzimmer, aber diesmal jedes mit eigenem Bad - yeah!!!), aber fein. Direkt über die Straße war der Strand....
Na, welcher "Kulturbeutel" gehört wohl wem? "Classy", Pascal, "classy"!!! ;-)
Sind dann auch direkt nach dem Auspacken im Meer schwimmen gewesen. Das war auch wirklich sehr schön und zugegebenermaßen ist der Strand auch ein klein bisschen schöner als "unser" Strand, weil er schön klein und von Felsen umschlossen ist. Auch der Sand ist feiner und weicher (aber gut, wer will sich denn hier beschweren - ich bestimmt nicht :))...


Dominik und Valentyna mit Familien waren auch schon öfter da und Dominik hatte uns den Fish & Chips-Shop zum Abendessen empfohlen. Wir sind da also so gegen halb acht hin. Was unser Glück war, da wir mal wieder vergessen hatten, dass die Uhren in Neuseeland anders ticken. Der hätte nämlich ne halbe Stunde später zugemacht und dann hätten wir blöd aus der Wäsche geguckt. Der Charme dieses Örtchens ist nämlich, dass es da sonst nix anderes gibt :). Da ich persönlich jetzt nicht so ein Riesen-Fish & Chips-Fan bin, gab's Burger. Der war aber mega-lecker, ein echtes Geschmackserlebnis zwischen süß, deftig und exotisch (glasierte rote Zwiebeln, Gorgonzola, ein Riesenpilz, schön dick Fleisch, Tomate, Salat). Yammi! Aber die Tintenfischringe waren auch sehr lecker. Nicht so fettig und man merkte, dass der Fisch ziemlich frisch war (haha, da kommt einem doch glatt der Zungenbrecher mit Fischers Fritz und so in den Kopf *kristinaspinnt*).
Diesmal hat es übrigens (ja, Schadenfreude ist doch die schönste Freude) die anderen beiden erwischt - die wurden während des Essens auf der Terrasse ziemlich schlimm zerstochen (*harrharr)...
Für den nächsten Tag hatten Franziska und ich eine Tour zu 3 Weingütern und 1 Oliven-Tasting gebucht -
"Taste of Waiheke" (
http://www.fullers.co.nz/destinations-tours/waiheke/taste-of-waiheke.php). Tracy, unser Guide, hat uns mit der üblichen neuseeländischen losen Schnauze und saloppem Tonfall viel über die Insel erzählt. Das Problem ist, dass ich mir das alles nicht merken konnte - man sollte das echt aufnehmen beim nächsten Mal. Sie selbst lebt seit 19 Jahren dort. Angefangen hat die Insel wohl als Refugium für "Aussteiger" (so würde man das wohl heute nennen; waren halt Hippies, Künstler etc. in den 60er/70ern). Mittlerweile muss man für die Häuser auf der Nordseite angefangen ab 1 Million NZD hinblättern und dann kriegt man nur ne abgeranzte Bach, die man nochmal komplett renovieren muss.
Hier noch ein paar Insel-Eindrücke:
Die Tour an sich war schon ziemlich touristisch, der Bus bis auf 2 Plätze voll. Waren auch eher Herren und Damen älteren Kalibers. Die Tour war ja aber auch "for adults only". Überraschenderweise außer uns aber keine Deutschen dabei... (was ist da los???)

Die Insel lebt komplett von Wasser aus Wassertanks. Da es auf Waiheke
die letzten 3 Monaten nur insgesamt 3 mm Regen gab, sind die
Lieferzeiten für die Tankbefüllung momentan bei 28 Tagen Vorlauf. Die
Taxifahrerin am Ende der Tour hat erzählt, vor einem Monat waren es 1
1/2 Monate. Da bekommt man erstmal wieder mit, für wie
selbstverständlich wir Wasser halten, das aus dem Hahn kommt. Die
kämpfen da wirklich mit der Trockenheit.. (was wiederum für die
Weinreben und die Oliven eine Tipptopp-Situation ist - ja alles hat
seine Vor- und Nachteile). Das "Problem" an Waiheke ist wohl auch, dass
die da keine Berge haben. Wenn also mal ein Regengebiet über Waiheke
zieht, dann regnet es da quasi 5 Minuten und das war's. Die Touristen
freut's, die Locals nicht so...
Der Strand von Palm Beach von oben
Begonnen hat der Weinanabau auf Waiheke mit zwei Weingütern in der Mitte der 70er.
"Stonyridge Vineyard" (
http://www.stonyridge.co.nz/), unser erster Stopp, ist das zweitälteste (1982). Das ganze Team dort auf dem Weingut war superjung und total enthusiastisch. Laut Website veranstalten die da auch House-Partys auf dem Gelände. Jedenfalls fing das Weinbusiness auf Waiheke irgendwann richtig zu boomen an (insbesondere als die ersten Weine prämiert wurden) und ab 1997 gab's dann schon 22 Weingüter auf der Insel. Einige gehen den gesamten Weg, andere wiederum bauen nur an und lassen woanders produzieren. Ein einträgliches Geschäft scheint auch die Ausrichtung von Hochzeiten, Corporate Events, etc. zu sein.
Allerdings geht das letzte Schiff nach Auckland um 0.30 Uhr - eigentlich aber gar nicht so schlecht, so gibt es ein vorgegebenes Ende :D. Zur Insel selbst kommt man zum letzten Mal um viertel vor zwölf. Insofern kann man in der Theorie ein bisschen in Auckland ausgehen und doch noch wieder heimkommen (abgesehen davon, dass man dann irgendwie vom Fährableger wegkommen muss - und da werden die 9 festangestellten Polizisten schon drauf achten, dass man da nicht nach Alkoholgenuss fährt).
Zurück zu Stonyridge. Hier haben wir von einer sehr netten Französin die dortigen Weine vorgestellt bekommen. Aber, wie gesagt, Touristik olé - als wir aus dem Bus ausstiegen, standen die schon mit vollen Gläsern bereit :). Insgesamt muss man allerdings sagen, waren die "vollen" Gläser auf allen Weingütern eigentlich nicht so richtig voll. Das war natürlich im Endergbnis nicht so unclever, weil wir Busfahrer dann auch nicht "voll" waren, das kennt man von anderen Weinproben auch anders *lach.
Jedenfalls hat uns die Dame ein paar sehr interessante Dinge nahegebracht:
- Auf Waiheke wird kein Weißwein angebaut (oder zumindest vernachlässigbar), weil es zu trocken ist. Die Weingüter haben in Teilen Weinberge/-gebiete in Malbourough und die Trauben werden dann nach Waiheke zur Verarbeitung gebracht.
- Vor die Rebstöcke werden Rosen gepflanzt, weil die gegenüber Schädlingen sehr empfindlich sind. Merkt man also, dass bei denen was nicht stimmt, dann kann man die Rebstöcke noch eventuell davor bewahren
- Die Netze über den Rebstöcken sollen diese vor den Vögeln bewahren.
- In der Erntezeit kommen viele Helfer zur Ernte von Work & Travel.
Probiert haben wir letztlich zwei Rotweine (Larose und Airfield). Dann gab es im Olivenbaum-Garten einen "light lunch" (Quiche mit grünem Salat und Brot und Käse). War auch sehr lecker und auch eine sehr schöne Atmosphäre.
Impressionen von der Toilette und der Ausblick des "normalen" Restaurants:
Danach hat uns Tracy ein paar Runden um die Insel gefahren (durch die Baustelle vor Stonyridge sind wir ca. 5 Mal an dem Tag gefahren) und hat uns Geschichten erzählt (z.B. muss man aufpassen, dass man den Hauptort nicht verpasst, "in a blink of an eye, you're through"; "there are three roundabouts on the island, that is as much traffic regulation as you get" - in der Tat gibt es z.B. keine Ampeln; auch nicht so richtig viele Straßenlampen, was wiederum richtig cool ist, weil der Sternenhimmel hier nun einfach mal gigantisch ist, man sieht ja sogar die Milchstraße).
Dann ging's zum
Rangihoua Estate (
http://www.rangihoua.co.nz/) - einem Hersteller von Olivenöl. Die haben vor 12 Jahren angefangen ihre Bäume zu pflanzen. Allerdings wirft ein Olivenbaum erst ab 12 Jahren so richtig viele Oliven ab. Insofern profitieren die gerade noch von den alten Olivenbäumen auf Stonyridge, da die Besitzer dort früher gearbeitet haben. In Teilen werden die Bäume noch "handgekämmt" (wirklich, mit so nem 20 cm langen Plastikkamm; ab April - wer da also noch nix vorhat....) und dann später kommt ein "Baumschüttler", der das maschinell macht. Da wird dann eine Fallschirmplane druntergelegt und man sammelt dann die Oliven auf, die runterfallen.
Rohe Oliven vom Baum sollte man nicht probieren. Das macht man wohl nur einmal im Leben, weil das so scheiße schmeckt. Die beginnen dann ab grün und werden je nach Reifegrad immer schwärzer. Wenn die zu schwarz sind, sollte man die nicht mehr verwenden, weil sie dann zu stark oxidiert sind.
Zur Verarbeitung geht es dann relativ flott. Man quetscht die Oliven und trennt damit das Fleisch von den Kernen. Dann macht man noch die Kerne kaputt, weil die bestimmte, sehr gesunde Stoffe enthalten. Das alles wird dann in die Zentrifuge gegeben (weil man Olivenöl nicht mehr presst, sondern zentrifugiert) und dann trennt man das Öl (15 %), den Fruchtsaft (5 %) und eben den Olivenmischmasch (80 %). Letzterer wird dann an die Rinder auf der Nachbarweide verfüttert. Man braucht also für einen Liter Olivenöl 7 Kilo Oliven. Ziemlich anstrengendes Geschäft, wenn man mich fragt.
Jedenfalls haben wir 6 Öle (2 x 3) probieren dürfen. Interessanterweise haben uns die, die wohl am ehesten an italienische Olivenöle rankommen, nicht geschmeckt. Die waren ziemlich bitter. Am besten war das prämierte von denen (die sind damit wohl bis in die TOP 20 der besten Olivenöle der Welt aufgestiegen - Chapeau!).
Auf jeden Fall war die Präsentation, wie immer, sehr kiwi-like und sympathisch. Und ab und an lernt man auch wirklich was dazu. Die drei key take-aways sollten übrigens sein:
- Olivenöl immer nur in dunklen Flaschen kaufen und im Dunklen aufbewahren. Ist es Licht ausgesetzt, setzt sich weißer Flock unten ab. Insofern sollte man auch vermeiden, Olivenöl mit Ausflockung im Supermarkt zu kaufen.
- Olivenöl sollte nie älter als 2 Jahre werden - dann nicht mehr verwenden. Insofern immer auf das Abfülldatum achten.
- Olivenöl sollte nie einen xxx-Wert (hab ich vergessen) von 0,5 überschreiten
Insofern ist Olivenöl-Kaufen jetzt eher komplizierter geworden ;-)
Danach ging es zurück in das Nachbargut von Stonyridge -
Wild on Waiheke (
http://www.wildonwaiheke.co.nz/). Die Dame hat auch ganz enthusiasisch ihre Weine angepriesen - der Rose war auch ganz lecker. Letzlich sind die aber eher für ihre Bierbrau"künste" bekannt. So lecker waren die 2 Biersorten (eine dunkel, ein Ale) aber nicht... Na ja.. Vielleicht sind wir da auch ein wenig voreingenommen. Viel gelernt haben wir nicht, weil es eher einer "wir haben übrigens noch das, und das, und das im Angebot"-Show glich...
Dass einzige, was ziemlich interessant war, waren die 4 Typen, die mit Plastikbox und Stick aus nem Auto gesprungen sind und dann laut klopfend durch die Weinreben-Reihen gelaufen sind. Soll die Vögel verjagen. Was für ein Scheiß-Job. Mal ehrlich....
Unser letzter offizieller Stopp war "
Mudbrick" (
http://www.mudbrick.co.nz/) - schick, schick, schick. Da kann man sich gut vorstellen, ne Feier zu haben (für zwei Hochzeiten wurde da auch grad aufgebaut). Das Mädel, dass uns "abfertigte" hatte nicht so richtig viel Lust. Bei ihr hat sich das "Lustigseinwollen" eher in ein "Boah, ihr Besoffenen nervt mich so dermaßen, ich bin froh, wenn ich euch los bin" umgemünzt. Als wären wir Dumpfbacken hat sie uns erklärt, dass Rose nicht daraus gemacht wird, dass man roten und weißen Wein mischt. Ach? Danke für nichts.
Und bei dem zweiten Wein, nachdem sie uns den Berg hinauf "gejagt" hatte, meinte sie nur "if anyone is interested what you're trinking" (Subtext: Ihr alten Suffköpfe...).
Jedenfalls haben die dort alles richtig gemacht - angefangen haben die mit mit 20 Plätzen in dem Restaurant bei ihrem Wohnhaus. Jetzt ist es zu einem 120 Plätze-Restaurant ausgebaut worden, wo über 100 Tage im Jahr Hochzeiten u.ä. stattfinden...
Jedenfalls versuchen die da gerade Pinot Gris anzubauen, was aber was dauern kann, weil die obere Erdschicht auf Waiheke nur aus Ton besteht und die Wurzeln sich erstmal bis zum fruchtbaren Boden "durchschlagen" müssen. Mal gucken, vielleicht bekommt man in 4 Jahren doch noch Weißwein von Waiheke.
Auf jeden Fall haben die einen Hammer-Ausblick, bis zur Skyline von Auckland:
Nach der Tour waren wir noch kurz in dem Hauptort - hatten aber den Bus gerade verpasst, Pascal ging nicht an sein Handy, also sind wir mit dem Taxi zurück nach Palm Beach gefahren. Ein bisschen hatte es sich zugezogen, aber wir sind trotzdem noch kurz ins Meer.
Abends hat uns dann Franziska ins Restaurant von
Cable Bay eingeladen (
http://www.cablebayvineyards.co.nz/). Das war ziemlich lecker, aber preislich jetzt auch nicht Burger King. Wir wurden insgesamt von 2 Deutschen bedient. Der eine kam aus Düren - klein ist die Welt :). Dafür hat er dann noch Dessert-Wein ausgegeben. Das Dessert war übrigens gigantös lecker (und das aus meinem Munde!)...
Und der Ausblick war auch nicht von schlechten Eltern - und der Sonnenuntergang hat dann den Blick immer weiter verändert:
Und hinten der Schatten der Skyline:
Am Samstag mussten wir um 10 Uhr die Bach geräumt haben, um 10.30 Uhr ging die Fähre. Da war das Wetter noch schön:
Auf dem Weg nach Hause hat Franziska uns bei Valentyna abgesetzt, weil wir sie und ihre Mutter zum Flughafen fahren sollten, weil Valentyna meinte, dass sie in emotionaler Stimmung nicht so gerne Auto fahren würde.
Wir waren aber zu früh (13 Uhr, los wollten die um kurz vor 15 Uhr), also haben wir das Familienauto gekriegt und sind was essen gefahren. Waren dann im
"New Zealand Café of the year 2012" (
http://nzcafeoftheyear.co.nz/) in Mairaingi Bay (bei denen 5 Minuten um die Ecke), dem
Paper Moon Café (
http://www.papermooncafe.co.nz/). Das war auch echt sehr lecker. In der Muschelsauce waren auch noch Maronen drin - yammi, yammi, yammi....
Auf der Rückfahrt hatte es schon angefangen zu regnen und bis jetzt hat es auch nicht mehr aufgehört. Es hat ziemlich gestürmt heute Nacht und es ist feucht und bäh. Aber jut, da weiß man, was man an den anderen (schönen ) Tage hatte ;-).
Heute Abend bekochen unsere Vermieter uns (in unserer Küche ;-)). Lamm-Rost Meal. Lecker, lecker. Mein Magen knurrt schon in Vorfreude...
Der Rest der Woche ist ja dann auch ja auch schnell vorbei - Präsentation am Mittwoch (o-o...), Abreise von Pascal und Franziska am Donnerstag und ich bin ab Freitag weg. Die Zeit ist echt vergangen wie im Flug....
PS: Heute hatten wir übrigens ein kleines Erdbeben um Auckland (gegen 17 Uhr). Ich hatte mir auch eingebildet, was gespürt zu haben - dachte aber eher ich spinne.. aber war wohl so ;-)