Dienstag, 24. März 2009

Bye, bye North Island oder gefahrene Kilometer bisher: 2000



So, nun geht also auch mein letzter Tag auf der Nordinsel zu Ende. Unglaublich wie die Zeit vergeht, eben sitz ich noch auf nem Boot in der Bay of Islands (gefuehlt zumindest) und jetzt geht's schon auf den letzten (wenn auch laengeren) Teil der Reise.
Na ja, nochmal rekapitulieren, was ich denn in den letzten Tagen noch so getan habe. Nachdem ich vom National Park relativ frueh aufgebrochen bin (ja, ging auch nicht anders, bei dem Krach, den die Leuts da in der Kueche gemacht haben), bin ich ueber den "Forgotten World Highway" Richtung Mt. Taranaki gefahren (die Strasse war uebrigens ganz lange eher selten befahren, bevor die ein paar findige Macketing-Menschen umbenannt haben ;-D). Da ist aber auch wirklich nix. Nur Huegel, Schafe, Rinder und ab und an mal eine Siedlung (uebrigens diese gruenen gewellten Huegel finde ich ja einmalig, davon kann ich kaum genug bekommen). Eine ganz tolle Strecke (natuerlich, wie koennte es hier auch anders sein, schoen kurvenreich und mit Schotterstueck in der Mitte - lustigerweise sind dann aber die Ein-Fahrbahn-Bruecken asphaltiert, die Logik entzieht sich mir ein wenig).
In der Mitte der Strecke befand sich die "freie Republik Whangamomona", deren knapp 200 Einwohner uebrigens noch Zuziehende suchen (stand zumindest auf den Schildern am Strassenrand). Hier koennte ich mir fabelhaft eine neue Staffel von "Bauer sucht Frau" vorstellen ;-)





Irgendwann gaben dann die Berge und Huegel den Blick auf Mt. Taranaki frei. Wunderbar. Den konnte ich dann uebrigens fast auf meinem gesamten Weg bis zum naechsten Stopp sehen. Die Geschichte hierzu aus der Maori-Mythologie ist folgende: Mt. Taranki (oder mit kolonialem Namen Mt. Egmont) stammt aus dem Kreis der Goetter-Vulkane im Central Plateau. Dort hatte er sich in die schoene Pihanga, die Frau des maechtigen Tongariro (auch ein Berg - Tongariro National Park und so) herangemacht (der Schlingel). Als Tongariro von dieser Liebe Wind bekam, gab es einen Kampf mit gewaltigen Ausbruechen. Taranaki unterlag und musste in diesen letzten Winkel des Landes im Westen fliehen. Die vielen Fluesse, die an seinen Haengen hinunterlaufen, sind Traenen ueber die verlorene Liebe. Also so, finde ich, sind geologische Phaenomene doch eindeutig netter erklaert...


Mt. Taranaki von der Strasse aus


Mt. Taranaki vom Lake Mangamahoe aus

Gelaufen bin ich dort oben aber nicht, weil es superwindig war (ok, der wirkliche Grund war, dass meine Beine wehgetan haben - ja, der Muskelkater hatte eingesetzt und ich doch schon ein ziemlich faules Stueck bin).

Bin dann also weitergefahren Richtung New Plymouth. Dort war ich im Pukekura Park, um mal dem Auto zu entkommen (das war wirklich schoen, alles gruen, sehr entspannte Atmosphaere - ein richtiger Sonntagmittag halt). Es lief gerade ein Cricket-Spiel, aber auch bei laengerem Zuschauen liegen die Regeln dieses Spiels fuer mich weiterhin absolut im Dunkeln (alle stehen rum, einer nimmt Anlauf, wirft und der Schlagmann schlaegt den Ball ins Feld - aeh ja, da lob ich mir doch tatsaechlich den heimischen Fussball, da ist zumindest stetige Bewegung (bis auf die FC-Spiele *harrharr) drin). Anyway, hier kann man zumindest gut seine Ferien verbringen. An der Uferpromenade geht ein Fahrradweg entlang, der zu den vielen Straenden fuehrt. Wer wandern will, braucht nur 25 min zum Mt. Taranaki National Park und in der Stadt gibt's doch auch einige Geschaefte, wo man in der Zeit die Ehefrau lassen kann...



Dann hab mich dann auf den "Surf Highway" begeben. Und, was soll ich sagen - schon wieder keine Surfer (wenn nicht hier, wo denn dann????). Ich hab langsam den Eindruck, die fluechten vor mir.
Ueberall entlang der Strecke gibt es hier Zufahrten zu Bade- und Surferstraenden (bei Oakura und Opunake bin ich mal rausgefahren - diese schwarzen Straende sind ja wirklich einmalig schoen). Ansonsten hatte ich - wie gesagt - Mt. Taranaki im Blick, waehrend man ansonsten den Eindruck hatte, im mittleren Westen der USA unterwegs zu sein ('Stadt', die nur aus einer Aneinanderreihung von Haeusern besteht, und zwischendrin Farmland).
Irgendwann bin ich dann in Wanganui angekommen. Mein Backpacker war in ner Villa im Kolonialstil, direkt am Fluss. Sehr schoen. Nur den Kampf um die Fernbedienung hab ich verloren, statt "Grey's Anatomy" gab's "Invasion". Na gut, war auch ok (wenn auch in Teilen etwas eklig).

Morgens hab ich mir dann die Stadt angeschaut. Wahnsinnig viel gab's da nu nicht zu sehen. Hatte Fruehstueck in einem sehr urigen 60er-Laden-Cafe (na ja, was man aus Filmen halt so kennt) an der Victoria Avenue, der 'Hauptstrasse', an der ein Mix aus Gebaeuden aus alter Zeit (Kolonialstil, Neoklassizismus) mit Geschaeft an Geschaeft zu finden ist. Dann bin ich mit dem 1919 in Betrieb genommenen Aufzug auf den Durie Hill gefahren (der Tunnel zu dem Aufzug war aber ziemlich gruselig...) und hab dort die Aussicht auf Wanganui und den Wanganui River genossen. Wie man sehen kann, wurde das Wetter dann auch schlechter (war zwar noch warm, aber die Wolkenn kamen unaufhaltsam). Bin noch schnell den Durie Hill War Memorial Tower (176 Stufen) hochgestiegen, aber das war denn auch genug der koerperlichen Anstrengung fuer den Tag ;-D.






Eigentlich wollte ich dann am Kai Iwi Beach schwimmen gehen, aber nach dem Zehentest habe ich mich dagegen entschieden (yep, Weichei, ich weiss).



Weiter entlang der Kapiti Coast ging es durch flaches Land mit viel Landwirtschaft (dafuer das Gebirge auf der linken Seite und den Ozean auf der rechten Seite) Richtung Wellington.


Hier der Blick von der Pakakariki Hill Road auf den Duenenstrand des Queen Elisabeth Parks und davor der Stand selbst (ach ja, und ich, die den Selbstausloeser betaetigt hat; da war halt sonst wieder kein Mensch):







In der Stadt selbst hab ich mich dann ein wenig verfranst (ja, da ging es leider nicht mehr so schoen geradeaus, und ueberall nur Einbahnstrassen, und das gleichzeitige Hantieren mit Karte und Lenkrad erfordert dann doch mein ganzes Geschick), aber irgendwann hab ich den Weg zu meinem "Bed & Breakfast" gefunden. Ist in einer viktorianischen Villa, und mein Zimmer ist unglaublich plueschig. Aber so fuehle ich mich wie Queen Kristina. Und in dem Riesen-Bett hab ich so unglaublich viel Platz. Habe heute Nacht auch quasi goettlich geschlafen...
Dann bin ich losgezogen um die Stadt zu erkunden. In Winterjacke!!! Wellington wird voellig zu Recht "windy Welli" genannt. Brrr...
An jeder Ecke findet man uebrigens Kunst.
Aber habe heute gemerkt, dass auch Wellington eine Stadt ist, die davon lebt, dass die Sonne scheint. Dann ist alles direkt viel freundlicher und schoener.


Das Beehive und die Parliament Buildings


Kunst am Quai

Heute Morgen hab ich die "Marine Drive Tour" entlang der vielen kleinen Buchten rund um Wellington gemacht bevor ich meinen Mietwagen abgegeben hab (hab vergessen, von meinem kleinen "Sunny Nissan" ein Foto zu machen )-:, dabei war der mir doch schon so ans Herz gewachsen... na ja..). War eine sehr schoene Tour. Die Haeuser der Vorote schmiegen sich an die Huegel, Waelder, die bis ans Wasser reichen, und der Ozean platscht mit seinem beruhigenden Geraeusch gegen die Felsen - hier ist die Welt noch in Ordnung....








Hab aber leider keine gesehen....

Bin dann mit dem Bus zurueck in die Stadt. Um 13.00 Uhr hab ich die Parlamentsfuehrung mitgemacht. War wirklich sehr interessant. Die Neuseelaender haben uebrigens ihr Verhaeltniswahlrecht von Deutschland uebernommen. Sehr schoene alte Gebauede - sehr altehrwuerdig, very british. Tolle Kunstwerke im Innenhof. Und sehr interessante Erdbebenschutz-Anlage im Keller.
Um 14.00 Uhr trat dann das Parlament (das erste Mal nach der Sommerpause) zusammen. Das konnte ich mir ja nicht entgehen lassen. Erst ruft eine stetig piepende Glocke alle Parlamentarier in den Sitzungsraum. Dort hat jeder seinen eigenen Holztisch (fast schon Pult) - ist so angelegt wie ein "Chamber" in England. Dann wird der "Speaker" angekuendigt (lautstark), alle erheben sich, und er marschiert hinter dem ballot ein. Ziemlich beeindruckend. Zu Beginn der Sitzung wird gemeinsam ein Gebet gesprochen und dann geht's los. Ziemlich laut - die Antworten des Prime Ministers auf die Fragen aus der Opposition wurden lautstark kommentiert (belacht, beklatscht, so was wie "hoert, hoert"). Da ging's ab, ich sach's euch.
Lustigerweise hat sich dann eine Gruppe Studis in der Galerie neben mich gesetzt. Und wer war dabei? Die Wiebke aus der Jura-Fachschaft aus Koeln. Die hat auch erstmal zweimal hingeguckt. Klein ist die Welt. Mann o Mann.

Nach meiner kurzen Stippvisite bin ich dann mit der Cable Car gefahren. Was muss, das muss. Anschliessend bin ich durch den Botanischen Garten spaziert. Eine gruene Oase - die totale Ruhe und Stille im Gegensatz zu dem quirligen, aber auch anstrengenden Rumgehetze von Lambton Quay (der Einkaufsstrasse).




Aussicht auf die Stadt


Kristina, die lebende Sonnenuhr (ungeahnte Qualitaeten treten hier zu Tage)



Nachdem ich wieder unten war, bin ich ins Nationalmuseum Te Papa. Selten ein so gut gemachtes, tolles Museum gesehen. Viel mit Anfassen und selber Erkunden (insb. die Ausstellungen zu den verschiedenen Landschaften Neuseelands). Dabei wird modernste Multimediatechnik genutzt, aber auch die Maori-Kultur und deren Traditionen und Geschichten kommen nicht zu kurz. Leider ist das Museum riesengross, so dass man eher fuer jedes Level einen ganzen Tag braucht, ohne dann auch alles gesehen zu haben.
Hab dann also ein bisschen cherry picking betrieben, war u.a. im Erdbebenhaus und bei "Te Marae".



Jetzt gehe ich hier im Viertel um den Courtenay Place was essen. Morgen frueh geht dann die Faehre auf die Suedinsel. Hoffe, da das Wetter heute im Laufe des Tages auch besser geworden ist, dass ich dort auch wieder Sommer, Sonne, Sonnenschein habe...

Daher sag ich: Bye, bye, my love, mach et jot, bis zum naechsten Mo... (denn ich komme wieder, ganz bestimmt)

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